Pressetext
Ausgabe vom 16. Oktober 2008

Das Sinfonische Blasorchester Hessen kommt mit Staraufgebot nach Limburg

Cello-Akrobaktik, vom Star für Stars komponiert: das Konzert für Violoncello und Blasorchester des österreichischen Klassik-Paradiesvogels Friedrich Gulda steht im Zentrum des Programms, mit dem am 4. Mai um 20 Uhr erstmals nach fünf Jahren das Sinfonische Blasorchester Hessen in der Josef-Kohlmaier-Halle konzertiert – diesmal im Rahmen der „Limburger Meisterkonzerte“. Am Dirigentenpult steht Ralf Lange vom Dortmunder Opernhaus, Solist ist der ungarische Cello-Star Làszlò Fenyö.

Das kleine Gähnen im gemütlichen Konzertsaalsessel hat an diesem Tag allerdings keinen Platz – für gepflegte Langeweile am Sonntagabend ist das Programm einfach viel zu vital. Was das Sinfonische Blasorchester Hessen für die Limburger Konzertbesucher im Angebot hat, ist so spannend, abwechslungsreich und garniert mit musikalischem Verve, dass die Alltagsmüdigkeit leichtfüßig weggeblasen wird und sich ein Abend voller Unterhaltung den Saal erobert. Das Orchester unter seinem Chefdirigenten Ralf Lange wird sich dafür jedenfalls ins Zeug legen!

Mit im Programm ist Philipp Sparkes wirbelndes Konzertstück „Flying the Breeze“, das den Abend mit Esprit eröffnet und einen Vorgeschmack auf das gibt, was das hessische Konzertorchester zu bieten hat. Denn neben dem bekannten Bläserkomponisten Philipp Sparke hat es auch den klassischen Großmeister Dimitri Schostakowitsch mitgebracht. Allerdings nicht mit einer der gewichtigen Sinfonien, sondern mit der Jazz-Suite Nr. 2, die als konzertante Unterhaltungsmusik hohen Anspruchs geschrieben ist und irgendwo zwischen klassischem Wien und frechen mitteleuropäischen Zwanzigern verwurzelt ist.

Höhepunkt des Konzertes ist Friedrich Guldas „Konzert für Violoncello und Blasorchester“, welches für jedes Orchester eine echte künstlerisch-'sportliche' Herausforderung vom Feinsten ist. Die 1981 uraufgeführte Komposition verbindet in intelligenten Spielereien hochkarätige Kunstfertigkeit mit raffiniertem Witz zu einem effekt- wie niveauvollen Werk das auch dem Solisten die ganze Palette cellistischen Könnens abfordert. Als Solist konnte der junge Cello-Star László Fenyö gewonnen werden konnte. Fenyö erhielt unlängst -und bereits überhäuft von Preisen- die Eintrittskarte zur internationalen Celloelite, indem er 2004 den berühmten Pablo Casals-Wettbewerb in Kronberg gewann und ihm 2005 als staatliche Auszeichnung der renommierte Franz-Liszt-Preis verliehen wurde. Derzeit ist László Fenyö Solocellist im hr-Sinfonieorchester und als Solist konzertierte er auf den bedeutendsten Bühnen weltweit. In Limburg wird er sein Konzertdebüt als Streichersolist eines Sinfonischen Blasorchesters geben. Und das darf man unbedingt mit Spannung und Vorfreude erwarten, denn das gab es in Hessen noch nie!

Zum Abschluss des Konzertes steht die 2. Sinfonie des Niederländers Johan de Meij auf dem Programm, die den Titel „The Big Apple“ trägt. Sie ist eine Ode an New York und will eine musikalische Wiedergabe des Geistes, des Glanzes, aber auch der Kühle einer der faszinierendsten Städte der Welt sein. Und so erklingen im nie verhallenden Trubel der Großstadt die robusten, eckigen und geradlinigen Hochhausschluchten, durch die das Orchester auf seiner musikalischen Brise hindurchwehen kann und so sein Konzert im furiosen Finale beendet.

Karten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf in der Limburger Ticketzentrale.

Rhein-Lahn-Zeitung
Ausgabe vom 7. Mai 2008

Cello und Bläser in gelungener Symbiose

Sinfonisches Blasorchester Hessen war beim abschließenden Meisterkonzert
in Limburg zu Gast

Einige Minuten später als sonst begann das abschließende Meisterkonzert der Kulturvereinigung vor der Sommerpause – nicht etwa, weil die Musiker noch nicht bereit gewesen wären, sondern weil sich die vielen Zuschauer noch nicht auf ihren Plätzen eingefunden hatten. Das Sinfonische Blasorchester Hessen stieß auf ein überwältigendes Besucherinteresse und hatte so eine hervorragende Ausgangsposition für sein anspruchsvolles und zugleich ungewöhnliches Programm. Gewaltige Klänge in Stephen Melillos Werk „In einem anderen Licht“ bereiteten den musikalischen Weg des Abends, und schon gleich konnten sich die Besucher von der enormen Qualität des Ensembles überzeugen.

Ein riesiges Orchester formierte sich auf der Bühne, besetzt mit allen erdenklichen Instrumenten, die zur Blasmusik gehören. Ralf Lange packte alles durch sein engagiertes und unmissverständliches Dirigat zusammen und formte ein Klangbild, das neben brillanter Technik auch zu ausdrucksvollen musikalischen Gesten bereit war.

Nach der Ouvertüre tat sich dann zunächst Ungewöhnliches auf der Bühne: Alle Musiker packten mit an, stellten Stühle, rückten Bühnenelemente und Notenständer. Gerichtet wurde das alles für den „Star“ des Abends, den ungarischen Cellisten László Fenyö. Und was auf den ersten Blick vielleicht zunächst verwunderte, beeindruckte schließlich umso mehr: Cello und Bläser (in kleiner Besetzung) gingen in dem Konzert Friedrich Gulda eine harmonische Symbiose eine. Ein hervorragend aufspielender Cellist war zu hören, der alle Facetten der Spieltechnik atemberaubend und hoch virtuos präsentierte. Neben dem einfühlsam agierenden Orchester sei nicht zuletzt auch das kostbare Instrument aus dem Jahr 1695 erwähnt, dem der Cellist ungemein klangvolle Töne entlockte.

Nach der Pause stand der Abend wieder ganz im Zeichen der Blasinstrumente: Die Suite für Jazzorchester von Dimitri Schostakowitsch hinterließ bei den Zuhörern einen genauso großen Eindruck wie die zweite Sinfonie von Johan de Meij, mit der der Holländer die Stadt New York tonmalerisch beschreibt. Ob lyrische Passagen, verspielte Klanggewitter; es war einfach bemerkenswert, zu was engagierte musikalische Laien fähig sind.

Nassauische Neue Presse
Ausgabe vom 6. Mai 2008

Ungewohnte Klänge in einem „spannenden“ Konzert

Das Sinfonische Blasorchester Hessen bot zum Saisonende für ein Meisterkonzert ungewohnte, gleichwohl aber interessante und spannende Klänge. Mit Werken aus dem Bereich der modernen sinfonischen Blasmusik entfalteten die Mitwirkenden unter der Leitung von Ralf Lange Facetten, die manchem Konzertbesucher neu gewesen sein dürften.

Dazu passte der Titel des ersten Stückes „In einem andere Licht“ von Stephen Melillo. Das 2007 uraufgeführte Werk mit Ouvertürencharakter zeigte die Welt der Holz- und Blechbläser tatsächlich in neuem Licht, spielte mit der Klangvielfalt dieses großen Orchesterapparates mal in lebhaft bewegten Passagen in knackigem Sound aber auch mit großen melodischen Bögen und weichen runden Klängen.

Der eigentliche Höhepunkt des Konzert kam direkt als nächstes: Konzert für Cello und Blasorchester von Friedrich Gulda. Etwas so Pfiffiges, Unterhaltendes und dabei, nicht nur aber vor allem fürs Cello, Hochanspruchsvolles hört man nicht alle Tage. Das Cello-Konzert mit Bläserbegleitung des Cross-Over-Musikers Friedrich Gulda ist eine geniale Parodie auf den mitteleuropäischen Musikbetrieb mit seiner Trennung in E- und U-Musik und seinem Starsolisten-Kult.

Das Werk vereint in fünf höchst amüsanten Sätzen völlig unbekümmert Jazziges, Alphorngetute oder bayrische Stubenmusi mit Klassischem oder auch einem zackigen Marsch, um schließlich in einer Art italienischer Stretta zu enden. Auf dem Weg dahin spielt der Cellist mal schöne Kantilenen, mal eine ironisierend ausgewalzte und hochvirtuose Kadenz. Dann saust er in halsbrecherischem Tempo und aberwitzigen Doppelgriffen das Griffbrett rauf und runter, spielt rasante Arpeggien oder schmachtet in einem spanisch anmutenden Menuett. Der Cellist, das war in diesem Fall der junge Ungar Lazslo Fenyö, der mit einem Feuerwerk an Klängen, Spitzentechnik und viel Ausdruck eine witzige und mitreißende Interpretation ablieferte, und dabei so unangestrengt wirkte, als würde er „Hänschen klein“ spielen. Das Orchester, diesmal bis auf rund 20 Musiker einschließlich zweier Kontrabässe und Gitarre reduziert, begleitete wunderbar schwungvoll. Mal gab es flotten Swing, wie bei der Jazz-Intro der Ouvertüre, mal spielten die Holzbläser einen herzigen Ländler, dann wieder gab Marschmusik mit vollem Blechbläsersound. Eine ziemlich verrückte Komposition, die Musikern wie Zuhörern gleichermaßen Spaß machte.

Der zweite Teil bot große Blasorchester-Sinfonik, die technisch durchaus vom Feinsten war. Allerdings zeigte sich hierbei, dass die Kohlmaier-Halle solchen Klangmassen, wenn sie denn ungebremst erschallen, nicht angemessen ist. Über lange Passagen empfand der Hörer die Musik einfach als zu laut. Dies galt besonders bei der sinfonischen Dichtung „The Big Apple“ von Johan de Meij. Der Niederländer ist Komponist vieler großartiger Blasorchesterwerke von großer Ausdruckskraft. „The Big Apple“ ist ein Tongemälde der Stadt New York, voll pulsierendem Leben, plötzlich aufblitzenden Melodien, effektvollen Kombinationen beispielsweise von flirrenden Holzbläsern über einer schönen Blechbläsermelodie, wunderschönen Oboen- und Englischhorn-Passagen über einem diffusen Wabern des Orchesters oder spannungsvollen Klängen der tiefen Bläser und Pauken. Man sieht und hört das umtriebige Leben der Großstadt förmlich vor sich. Allerdings schien sich das umfangreiche Werk - es dauerte eine gute halbe Stunde - weitgehend im Forte-Bereich abzuspielen, und das ermüdete nach einiger Zeit das Gehör.

Auch der ansonsten schwungvoll musizierten Jazzsuite Nr.2 von Dimitri Schostakowitsch, arrangiert von Johan de Meij, fehlte hier und da ein wenig dynamische Differenzierung. Das führte beispielsweise dazu, dass man das Akkordeon, dessen Klangfarbe durchaus gut zu dem Werk gepasst hätte, fast nie hörte.

Abgesehen von diesen kleinen Unebenheiten ein spannendes Konzert, das sicher manchem einen völligen neuen Einblick in moderne Blasmusik gegeben hat.